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Das folgende Gedicht ist entstanden als eine erste vorläufige Antwort auf das
Gedicht "Trost" von
Peter Busch
aus seinem Gedichtband Hüttenreste", welches
er leider in seiner neuen Web-Site nicht mehr aufführt.
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In der Welt
ich weine
und es sind nur Worte
ich weine
und es sind nur Sterne
ich weine
und es ist so fern
ich weine
und es ist nur der Mond
der leuchtet
über mir
über Yussuf
über Jack
über Dir
über
uns
allen
24. April 2002
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Im Regen gehn
Im Regen gehn
glücklich sein
strahlend
in der Sonne
sterbend
im Herzen
Nein,
ich kann
nicht wirklich
glücklich sein
wenn es das gibt
was es gibt
Hoffnung
es möge
mehr
sein
18. Oktober 2002
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Seelenkind
für Magdalena
keine Photographie
kein Gesicht vor meinen Augen
nie sah ich dich
nie
doch manchmal
schließe ich die Augen
seh ich dein Haar, Magdalena
manchmal
fühl ich mein Herz
erfüllst du den Raum
meine Seele
es fließt dahin
manchmal
finde ich dich
in Blicken
kleiner Mädchen
finde ich dich
als Engel
in meinen Träumen
als Vision
für etwas Anderes
für irgendetwas Anderes
an jedem Ort
an jedem Ort zu Hause
manchmal
nur manchmal
sehe ich diese Hand
von der du dich losreißt
und hineinrennst
in deinen Tod
dann zerreißt es mich
dann klirrt es, dann bröckelt es
dann rettest du mich
dann weiß ich
dein Tod
Schutzengel
an meiner Wiege
und
sie
redeten
nicht
und
sie
weinten
nicht
und auch ich
finde keine Sprache
bilde mir ein
dich zu hören
wenn jemand Violine spielt
dich zu spüren
wenn der Wind
mein Gesicht berührt
dich zu sehen
wie den Wind
malend
eine sanfte
Spur
26. April 2002
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ohne Titel
Ich hangle mich
an Worten durchs Leben
schlaflos
an seidenem Faden
entlang
suchend ein Haus
eine Bleibe
meiner Liebe
geöffnete Fenster
zum Licht
März 2002
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Rezept für einen grauen Tag
Ob es gut wird?
Öffne die Fenster.
Nimm Deine Zweifel
in beide Hände
und wirf sie hinaus
an den Himmel -
blau oder grau.
Einem Mückenschwarm gleich.
Mögen sie tanzen.
Es regnet?
Wirf den Schirm fort.
Du bist nicht aus Zucker.
Lass die Tropfen dein Haar kräuseln,
das Gesicht streicheln.
Mögen sie tanzen,
Gedanken erfrischen.
Und freu dich!
Er ist Nahrung,
der Regen,
dem Kirschbaum,
der blühn wird
schon bald.
März 2002
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Unverhofft
...
ein Marienkäfer
in
deine
leere Hand
...
Juli 1990
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Wenn du in der Mitte stehst
Zwischen dem Ja und dem Nein
Dann breite deine Arme aus
Strecke deine Finger
krümme sie sacht
als hättest du nichst
Nimm es
Das Ja in die Rechte
Das Nein in die Linke
Oder das Nein in die Rechte
das Ja in die Linke
Führe
Nach vorn sie
Die Hände
Und
Geh'
Einfach
Weiter
Als
Hättest du nichts
Reib dir
niemals
Die Hände.
Juni 1990
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Dao
Wieder lade ich die Hoffnung ein
nehme den Zweifel mit
nehme die Ent-Täuschung mit
nehme auch mein Handeln mit
meine Kraft
all meinen Mut
trotz allem
weiterzugehen
zu einem fernen
vielleicht jedoch nahen
Ziel
um wieder fort zu gehen
in ein Weiteres
bis irgendwann
ein Ankommen
sein wird
nach einem langen Weg
24. Dezember 2002
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Wer bewegt was bewegt wen
Öffne ich die Augen,
weil es Tag wird
oder
wird es Tag
weil ich die Augen öffne
Manchmal möcht' ich die Augen schließen,
weil es Tag wird.
Vielleicht aber
will der Tag,
dass ich die Augen schließe,
damit er Tag werden kann.
1990
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Ein Morgen
Da saß einer
Am See heut' morgen
Vor Sonnenaufgang
Fütterte Schwäne
Fütterte
Aß selbst
Da saß einer
Am See heut' morgen
15. Mai 1995
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Erntezeit
Gelb schon
Die Felder
Fort schon
Der Duft
Reifes Getreide
Klatschmohn
Fort
Welche Ernte
Fahre ich ein
In diesem Jahr?
Es
Kommt
Alles
Wieder

Max Bruch
Adagio Appassionato, Op. 57
Romanze, Op. 42
Wenn nichts mehr zu sagen bleibt
einmal
oder wenn,
was es zu sagen gäbe,
nicht in Wörter passt
einmal,
dann
lass ihn erzählen
was nicht sagbar ist
jetzt
Juni 1991

Grenzen der Sprache
für Alexandra R.
Gib mir ein Wort nur, das ich
Riechen kann wie Frühlingsluft;
Erst dann glaube ich Dir, dass
Nicht alles jederzeit virtuell und
Zerbrechlich ist in Menschenhand.
Endet nicht hier unsere Macht schon -
Nüchtern besehen?
Dieses eine Mal noch folge ich Dir,
Einen Garten aus Worten zu suchen,
Richte mich auf und höre Dein Lied.
Spiel, Orpheus, spiel um Dein Leben -
Paart sich Dein Lied mit Worten der Liebe,
Ruht vielleicht mein zweifelndes Herz
An diesem Tag nur, in dieser Stunde -
Charmant, Orpheus, charmant und galant -
Hingebungsvoll gar ... zugegeben: Dein ist der Sieg.
Es zieht, es kribbelt ein wenig in der Nas.
02. März 2002

Lusimonenbeschwörung
Komm, lass uns gungeln!
Die Brunksen sind längst fort.
Wulummern summsen überall.
Komm, lass uns gungeln!
Komm, lass uns gungeln!
Falimmern wabern durch die Luft
und Hurschen zaubern Nester.
Komm, lass uns gungeln!
Komm, lass uns gungeln!
Maluschen zibbeln Murschen schon
Flawingen mungeln heut so sacht.
Komm, lass uns gungeln!
Komm, lass uns gungeln!
Schalmützen witschen auch umher
und wir sind frei von Kraxen.
Komm, lass uns gungeln!
Komm, lass uns gungeln,
bis alle Zwacksen flummich sind
und Kwecken all verraucht.
Komm, lass uns gungeln!
Komm, lass uns gungeln!
Dann wirst Du Lusimonen sehn
und Bluffen lichtgrün schimmern.
Komm, lass uns gungeln!
Komm, lass uns gungeln!
Gar lumsig fällt ein Horoling
und hurmelt bis zum Ende.
Komm, lass uns gungeln!
02. März 2002
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Was zu wünschen bleibt
Dass das Leben selbst
sein darf
anders
als das Nach-Denken darüber
anders
als die Vorstellung davon
Dass die Sehnsucht
sein darf
Teil
sein darf
des Ersehnten
Dass zusammenfließen darf,
was zusammenfließen will
in einem Ganzen
in einem Moment
der vielleicht Glück heißen wird
der Abschied nehmen wird
Dass Du dann,
wenn er Abschied nehmen wird,
dieser Moment,
in dem etwas heil wurde,
nicht messen wirst
den Moment
nach seiner Dauer
Dass
ein
Grashalm
ein
Grashalm
sein
darf
und
nicht
mehr
bedeuten
muss
08. Mai 1994
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Fluidum In Time
Nicht
Vorwärtsgetrieben
Gefangen
In Hast
Im Sollen
Im Wollen
Im Streben
Nur werden
Was bereits ist
Nur empfangen
Was längst gefüllt
Nur ernten
Was erneut wächst
Was war
Ist jetzt
Was wird
Ist jetzt
Un-bedingt Sein
29. Oktober 2007
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Nix mit Null
Ich hasse Feiertage.
Diese Illusionen,
neu anzufangen.
Nichts zurückdrehn.
Nichts vordrehn.
Lieber frier ich.
Lieber schlepp ich sie mit,
die Netze im Hirn:
Erinnerungen - Erfahrungen - Denken - Deuten - Handeln -
Jammern und Jaulen.
Ab und zu
komme ich an
im Zentrum
im Auge
des Orkans
Stille
...
06. Januar 2003
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Chinesische Wettergöttinnen
Im Chinesischen,
erzählt jemand,
nenne man den weiblichen Orgasmus
"Wolken verschieben"
Raffiniert, die Chinesinnen,
die Wolken nicht auflösen,
sondern verschieben,
dass sie bleiben
fürs zweite Mal
und dritte Mal
und vierte Mal
und ...
Auf diese Weise
könnten wir,
wenn wir es geschickt anstellten
und nicht zu oft
die Richtung wechselten,
auf äußerst angenehme Weise
rund um den Erdball ...
und auch einen Ausgleich
zwischen wolkenreichen
und wolkenarmen ...
und wenn wir es dann
ab und an ein wenig regnen ließen,
dann ...
Mai 1991
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Das Mädchen
So möcht ich dort stehn
Wie die Rote
Dort, wo die Buche auf freiem Feld
Sich rund aufbäumt zum Himmel
Und so galant sich zu holen weiß
Das Licht mit jedem Blatt
Dort möcht ich stehn
Weitsichtig, aufrecht und klar
Mit tief atmender Brust
Hervortreten dann
Mit großem Schritt
Erhobenem Haupt
Mit schelmischem Blick
Zehn Mädchen um mich
Im Kreis, im Gefolge
Hervorspringend
Aus Blättern und Zweigen
Mit wehendem Haar
Bekleidet mit lichtseidnem Gewand
Im Gefolge im Kreis
Ich mal die Mitte im Kreis
Mal Scheitelpunkt vorne im Dreieck
Mit offenen Armen in den Wind rennend
Tanzend die Zukunft
Mitten ins Jetzt
Wild und lebendig
Wie Schwalbenschwarm tanzt in der Luft
So wir auf der Erde
November 1989
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Atmen
Du willst nicht mehr leben, sagst du?
Jedenfalls wenn alles schiefgeht, sagst du?
Weißt nur noch nicht, wie du es machst?
Nichts einfacher als das:
Leg'
Dich
Einfach
Hin
Und
Hör'
Auf
...
Es
Wird
sich zeigen.
Oktober 1989
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Leben oder was
Leben:
Zähne zusammenbeißen
Dass der Kopf schmerzt
Tod:
Lichter Raum
Wartend
Ziel:
Die Tür öffnen
Ohne Kopfschmerzen
1992
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Mein Schirm
für meinen Freund Martin
Ich ließ meinen Schirm stehen
bei einem, der krank ist.
Ich ließ meinen Schirm stehen
bei einem, der den Tod sah.
Ich will ihn nicht mehr,
meinen Schirm.
Ich will ihn nicht zurück.
Einst traf mich ein Regen mit Macht,
weil einer, der Schirme
nicht mochte,
den meinen nahm.
Ich ließ meinen Schirm stehen
bei einem, der krank ist.
Ich ließ meinen Schirm stehen
bei einem, der den Tod sah.
Ich will ihn nicht mehr,
meinen Schirm.
Ich will ihn nicht zurück
Ich weiß nicht,
was wird.
Ich weiß nur,
dass es regnet
in mir.
Mai 1995
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Gedankengestrüpp
Gedanken
Hervorkriechend
Aus modrigen Löchern
Otterngezücht
Parasitengleich
Vertreiben will ich euch
Von meinem Tisch
Zerstören
Zersägen, in Stücke schneiden
Wenn ich euch ließe
Ihr würdet Tauben töten
Ich habe noch nie Tauben getötet
Und mehr
...
Verbrennen euch
Mit meinem Feuer
Aber wie entsorgen eure Asche
Dass ihr nicht hineinkriecht
Wieder
Über den Boden
Hineinschleicht euch
In Wurzeln
Neues Grün
April 1995
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Wortgefecht
Wörter
Ich will euch nicht mehr
Nicht mehr reden
Wie ihr blöde aufsteigt
Nicht mehr hören
Wie ihr ungefragt hagelt
Nicht mehr lesen
Wie ihr vorgebt, etwas zu schaffen
Nicht mehr schreiben
Ihr Krähenfußmonster
Wörter
Ich will euch nicht mehr
Nur noch sein
In den Armen meines Geliebten
Nur noch sein
Mit meiner Nase an seiner Haut
Nur noch sein
Mit meinen Lippen an seinem Mund
...
Wörter
Ich will euch ...
Ich will euch ...
Ich will euch
Nur noch
Als Flüstern
Meines Geliebten
An meinem Ohr
März 1995
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Frühjahrsputz
Nicht mal so eben im großen Bogen
lässig und leicht
mit dem Staubsauger
drübergehn
mal so eben
Nein
die Teppichstange einbetonieren
im Garten -
und darüberhängen
mit Sorgfalt
mit dem Klopfer dann
sie gründlich, genau
mit eigener Kraft
von allen Seiten
ausklopfen, abklopfen
schütteln und pflegen
liebevoll streicheln
die Wörter
dass der Staub abfällt
von der Seele
alt und verraucht vom Winterkamin
des Geplärrs und Gebrabbels
des Redenmüssens
und Hörenmüssens
Sprich
nur
ein
Wort
so
wird
meine
Seele
gesund
April 1990
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Modusstudien
Ich schenkte dir
all meine Konkunktive
im Indikativ
nähme deine Hand
und führte sie
an die Risse
in der Mauer
um mich
im Indikativ
böte meine Haut
als Becher
deinen Tränen
und deinem Wein
meinen warmen Schoß
als Versteck
im Indikativ
besuchte deinen Körper
sprühender Sommerregen
wollte näher zu Dir
als deine Haut
und wiche
zwei
Schritt
zurück
wieder
dich
zu sehen
nicht nur im Indikativ
und fände wieder zu dir
und suchte dich
nicht nur im Indikativ
aber auch du bist wie ich
in zahllosen Indikativen auf der Suche
deine Konkunktive
in Indikative zu verwandeln
beziehungsweise
all deine Indikative
in einem Konkunktiv
Wirklichkeit werden zu lassen
ehe der Irrealis
die Macht ergreift
Februar 1987
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Postumer Mord an Kurt Tucholsky
Da sagt eine einfach so:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Da sagt so einfach eine:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Da sagt einfach eine so:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Da sagt so eine einfach:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Da sagt einfach so eine:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Da sagt eine so einfach:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Sagt da eine einfach so:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Sagt eine einfach so da:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Sagt eine so einfach da:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Sagt eine einfach da so:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Sagt da eine so einfach:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Eine sagt da einfach so:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Eine sagt einfach da so:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Eine sagt so einfach da:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Eine sagt einfach so da:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Eine sagt da so einfach:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Einfach so sagt eine da:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
So einfach sagt da eine:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Einfach sagt da eine so:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Einfach sagt da so eine:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Einfach so sagt da eine:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
So einfach sagt eine da:
Er hat ja auch nichts bewirkt.
Einfach so.
So einfach.
April 1990
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Vermarktungsideen
Es ist Munchs Schrei
Es ist Angst getötet zu werden und mehr
Es ist Munchs Schrei
Es ist das Töten und mehr
Es ist Munchs Schrei
Es ist das Foltern und mehr
Es ist Munchs Schrei
Es ist das Vergewaltigen und mehr
Es ist Munchs Schrei
Es ist Bosnien und mehr
Es ist Munchs Schrei
Es ist Rhuanda und mehr
Es ist Munchs Schrei
Es ist überall
Es ist Munchs Schrei
Es ist um uns
Es ist Munchs Schrei
Es ist in uns
Es ist Munchs Schrei
Jetzt gibt es
Munchs Schrei
Die Angst und Munchs Schrei
Wie etwas nebenbei
Mal so eben
ganz niedlich
Aufgeblasene Jahrmarktpuppe
Munchs Schrei
Mal so eben
Am Gürtel
Mal so eben
Im Schaufenster
Einige wenige
Füllen sich die Konten
Mit Munchs Schrei
Mal so eben
Nebenbei
Als wäre es nichts
Mai 1995
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Der Vogelbär
Es tanzte einst ein Vogelbär
und glaubt mir, das ist keine Mär,
gewalzten Jive nach Rumbanoten
auf blutig-wunden Cha-Cha-Pfoten
Er trank Champagner und sang laut,
das hat so mancher nicht verdaut,
von Liebe, Lust und Greueltaten.
Ich glaub, ich muss nicht mehr verraten.
"Oh, dieser Tänzer ist ne Last!"
rief einer, dem der Ton nicht passt.
"Und seht, wie seine Füße bluten,
wem ist das denn zuzumuten?"
Der Wunderheiler namens Kur
verband die Füße steif und stur.
Ein Psychologe kam gekrochen:
"Du, ich kurier Dich in acht Wochen!"
"Mit diesem Fuß, mein Vogelbär,
ists mit Tanzen jetzt nichts mehr!
Mit offnem Mund in kalten Welten
wirst Du Dich vielleicht erkälten."
Der Vogelbär, ganz irritiert,
apathisch an die Decke stiert.
Und fühlt auf einmal Unbehagen:
"Die Stimm erheben? Kann ichs wagen?"
Und die Moral von der Geschicht?
Schick Vogelbärn in Kuren nicht!
01. März 2002
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Das Bakterium und der brave Student
Ein Bakterium,
zitiert einer,
gehöre nicht,
zitiert einer,
zu den Lebewesen,
zitiert einer.
Ein Lebewesen,
zitiert einer,
definiere sich dadurch,
zitiert einer,
dass es keinen Wirt brauche,
zitiert einer,
von dem es lebe.
Er fragt sich,
frage ich mich,
wohl nicht,
frage ich mich,
ob er selbst,
frage ich mich,
demnach,
frage ich mich,
definitionsgemäß,
frage ich mich,
denn nun auch,
frage ich mich,
kein Lebewesen sei.
Mai 1994
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Biopsychologische Ehrenrettung
der Frau
Frauen,
sagt sie,
haben,
sagt sie,
eine angeborene,
sagt sie,
Aggressionshemmung,
sagt sie,
damit sie,
sagt sie,
ihre Kinder,
sagt sie,
nicht töten,
sagt sie
zu ihm.
Er nickt
brav.
Wenn mein Zorn aufsteigt
in meine Gedanken
bauen sie einen Staudamm
dem Fluss des Lebens
Wenn mein Zorn aufsteigt
in meine Worte,
töten sie
die Liebe
und mehr
Wenn mein Zorn aufstiege
in mein Handeln
näme ich
ein Schwert.
Juli 1995
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Komm, lass uns Tauben stechen
Komm, lass uns Tauben stechen in der Stadt
eine für Pappi ...
Komm, los, mit dem Messerchen spitz ...
eine für Mammi ...
schön in den Nacken gezielt ...
eine fürs Schwesterlein brav ...
Komm, stich und vergiss deine Wahl
vor den Füßen herum
Komm, lass
Komm, lass uns lieben in der Stadt
September 1990

Nach-geliebt
für B.
Es gab die Liebe nicht
ohne die Ratten
Es gab die Liebe nicht
ohne die Schatten
Es gab die Liebe nicht
ohne den Tod
so jung so alt
fingen sie dich
Licht sahst du
Ruhe suchtest du
Leben suchtest du
...
Ein Stab
zerbrechlich
in Gaia erblüht
aus Schatten empor
Es gibt die Liebe nicht
ohne die Schatten
Mai 1994
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Wenigstens das
Ob man glücklich sein darf
in dieser Welt
angesichts all dessen
das man schon nicht mehr
aussprechen mag
weil es doch immer nur
das gleiche meint
im Nenner
im kleinsten
gemeinsamen
Nenner
Verachtung heißt
und Abscheu
Aber wenn am Ende
vielleicht wirklich
unaufhaltsam
Zerstörung ist
dann hättest du
genauso gut
glücklich
gewesen sein können
Und vielleicht
hättest du
in deinem Glück
ein paar Tauben verschont
vielleicht
wenigstens
das
Juni 1991
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Zartheit
Um die Zartheit des andern wissend
behutsam
sich nähernd und
vergessen
ureigne Zweifel
am Ende
könnt doch
Kälte
sein
Panzer der Angst
mich
zu
verlieren
mich
fallend
zu
lassen
im
Nichts
deiner
Liebe
Wieder ein Netz weben, das den Tag verzaubert
dich denken
wenn duftende Sonne meine Kälte bricht
dich sehen
wenn deine Bewegung meine Bilder bricht
dich lieben
wenn täglich Erlebtes meine Träume bricht
Und bleiben
wenn dein Blick meinen Blick klein macht
genießen
wenn dein Mund meinen Wein groß macht
und zittern
wenn deine Hand meine Haut zart macht
Berührung
zum Hauch nur befreit
wenn deine Hand mich empfängt
umflutend
weich
Sommerwind
heilend
umarmst
und freilässt
nimmst
und freigibst
mich verlierend
mich gewinnend
in deiner Hand
deinem Blick
deiner Haut
und weiter
so
ohne Ende
und
März 1986
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Sprachfaulheit
für M.
Ich will dich kosen
Ich will dich liebevoll kosen
Ich will dich in Liebe kosen
Ich will dich liebkosen
...
Offenbar
macht Liebe
sprachfaul
Mai 1991
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Zahnpflege
Du sagst, die Angst frisst dich auf.
Wie macht sie das?
Frisst sie die Zunge
und sitzt dann im Hals,
dass du nicht mehr reden kannst?
Oder fängt sie beim Kopf an,
dass die Gedanken verschwinden?
Oder bei den Füßen,
dass du nicht mehr gehen kannst?
Oder beißt sie mitten in deinen weichen Bauch, dass ...
Jedenfalls
muss deine Angst
ihre Zähne
gut gepflegt haben
Oktober 1989

Wunschtraum
Da hockt sie
zwischen den Schulterblättern
eingerollt
ein Kopf rechts
ein Kopf links
bereit zum Biss
die Schlange der Angst
und rollt sich
und schlängelt sich
langsam
gemächlich
die Köpfe nach-ziehend
Wirbel für Wirbel
die Säule hinab
Wirbel für Wirbel
rücklings
in den After
und wütet
noch einmal
im Dickdarm
dann scheiß ich sie aus
April 1990
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Tyrannenmord
für meinen Vater und andere Götter
Ich tötete ihn
diesen Herrn
Ich tötete ihn
der sich abwandte
als geboren wurde
Ich tötete ihn
der sich abwandte
als gestorben wurde
Ich tötete ihn
und brauchte
kein Schwert
Unmerklich fast
ohne zu berühren
berührte ich
wie ein Hauch nur
und stieß ihn
von seinem Thron
Er zerfiel zu Staub
ward Asche
Ein Vorhang zerriss
in dieser Nacht
und es wurde
Morgen
Ich tötete ihn
der sich aufspielte
Ich tötete ihn
Herr über Leben
Herr über Tod
ward selbst
Frau
über Leben und Tod
werde
selbst
Asche
sein
es ward
Morgen
Mir fällt mein Zepter
aus der Hand
wieder
gebrochen
zerrissen mein Gewand
berühre ich
wie ein Hauch nur
meine Stirn
mein Gesicht
und gehe weiter
zwischen
Leben
und
Tod
und es wird
Licht
Juli 1995

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Wann endlich
Wann endlich nehmen wir
diesen Christus vom Kreuz
und legen ihn
in die Erde
lassen ihn
dort
weinen
endlich
lassen ihn
dort
Wann endlich
nehmen wir
von ihm unsere Schuld
tragen sie selbst
lassen ihn
nicht immer wieder
auferstehen
lassen ihn
nicht immer wieder
kreuzigen
Wann endlich
lassen wir ihn
in der Erde
weinen
stehen selbst
auf
Juli 1995

Warten
Worauf warten wir
wenn es jetzt schon ist
Worauf warten wir
wenn es immer ist
Worauf warten wir
wenn es fließt wie es fließt
Worauf warten wir
wenn es fällt wie es fällt
Worauf warten wir
wenn wir es nicht halten können
Worauf warten wir
Mai 1995

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Nächtliche Szene
für einen Unbekannten in Köln
und für meine Mutter
Da lag einer
des Nachts
Deine Hand
an seinem Arm
Das Nächstliegende
Ein Wagen kam
...
mehr nicht
Ich weiß nicht,
ob es viel war
Einer, der da lag,
wurde versorgt
in dieser Nacht
...
mehr nicht
Wir saßen gegenüber dann
unsere Blicke trafen sich
dann und wann
erstarrt
Kloß im Hals
sprachlos
etwas Ähnliches nur
Tränen in mir
sah Tränen in Dir
...
mehr nicht
Ich weiß nicht,
ob es viel ist,
ob es etwas ändert
Einen, der da lag,
hast du berührt
mit deiner Hand
berührtest dich selbst
zu Tränen
berührtest mich selbst
zu Tränen
...
mehr nicht
Sah sie so oft
liegen
genau so
im Dreck
habe nichts
als Tränen in mir
hilflose Worte in mir
...
mehr nicht
Und du
Deine Hand an seinem Arm
...
mehr nicht
Mai 1995

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Baulücken I
Ich habe es vergessen
ob du mich je umarmtest
ich habe es vergessen
Ich habe es vergessen
ob ich je lief ...
lief ...
lief ...
rannte ...
bis zur Grenze meiner Kraft
rannte ...
nur
um in deinen Armen
und in deinem Lachen
anzukommen
Ich habe es vergessen.
14. Mai 1990

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Baulücken II
Du hättest mich so leicht tragen können
damals ...
mit deinem Gesicht
zu mir
zum Kornblumenblau
zum Duft nach Sommer
zum Erdgeruch in der Nacht
und zum Mond ...
Jetzt muss ich mich selbst tragen
mit meinen Tränen
meinen Leib
zersägen
in Stücke
durch viele Gesichter hindurch
und verstreuen ...
in Hände verteilen
in Ohren stopfen
überall ...
ein Glied hier ...
ein Glied dort ...
das Herz auf dem Grund eines Bergsees so kalt
die Nase auf der moosigen Lichtung im Wald
irgendwo ...
irgendwo
wieder suchen dann
und aufsammeln
mühsam ...
kleben und kitten
mit meinen Tränen
mit meinen Tränen
Du hättest mich so leicht tragen können
...
14. Mai 1990

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Lichtrausch
Ich weiß nicht
was es ist in mir
Ich weiß nur
dass es Glück ist
heut' morgen
sehen zu dürfen
das Licht
verhangen milchig blass
Ich weiß nur
dass es Glück ist
sehen zu dürfen
gleich zweimal
dort oben
im Blau
gespiegelt
hier unten
im Blau
milchig blass
Ich weiss nicht
was es ist in mir
...
Ich weiß nur
dass es vergeht
wieder
Ich weiß nur
dass ich nichts halten kann
...
Ich weiß nur
dass
ich
es
nicht
vergessen
will
...
dass
ich
es
nicht
nur
für
mich
will
15. Mai 1995
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|
Ein Riss
Ein Riss
in den Wolken
ein Riss
in Bergen von Wolken
ein Riss
gleißendes Licht
abendlich rot
Strahlen fallend
einem Vorhang gleich
gebündelt
als gäbe es dort
eine Hand
die sie hielte
und fallen ließe
einem Vorhang gleich
in die Weite wieder
herab
Juni 1995

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Buschwindröschen
Buschwindröschen
Sind
Buschwindröschen
Sind
Buschwindröschen
Sind
Buschwindröschen
Doch manchmal
Haften an ihnen
Erinnerungen
Dass ihre zarten Stiele
Sich biegen
Ihre weißen Blüten
Am Boden kleben
Zu Kreuze kriechen
Dann nimm
In deine Hand
Einen zarten Pinsel
Buschwindröschen
Sind
Buschwindröschen
Sind
Buschwindröschen
Sind
Buschwindröschen
Juli 1995
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Lullegefühle
für die Kuscheltherapie-Fans
Zufrieden und warm
nuggelnd an der Mutterbrust
eingelullt in wohlige Decken
die Stäbe nicht sehn
des Käfigs rundum
die Härte nicht spürn
der Schläge rundum
die Lügen nicht nennen
der Interessen rundum
Wo ist es
das Mütterlein warm
Wo ist sie
die Vaterhand stark
und sicher
und kuschlig im Nest
das Hirn in Watte gelullt
ins Plumeau vergraben
in Armen versunken
so tief, so tief
und versöhnt sein und heil sein und ganz ...
Muss gehn
aus dem Nest
muss gehn ...
Wo Verletzungen sind
reicht das Nuggeln nicht
Wo Verletzungen sind
reicht die Wärme nicht
Wo Verletzungen sind
muss das Gefühl
eine Leiter hoch
Wo Verletzungen sind
muss die Sehnsucht
eine Leiter hoch
Wo Verletzungen sind
muss die Liebe
eine Leiter hoch
Sprosse
für
Sprosse
bis in die Augen
dass sie sehen
bis in die Ohren
dass sie hören
bis ins Gehirn
dass es wach ist
bis in den Mund
dass er redet
und auch
das Singen
nicht
vergisst
November 1989

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